Fazit

Am Anfang und vor Behandlungsbeginn wird die Sicherung der Diagnose stehen und ein umfangreiches Staging, also die Bestimmung der Ausbreitung der Erkrankung (Ann-Arbor-Klassifikation). *1
Beides ist von grundlegender Bedeutung für die Festlegung des Therapiekonzepts. Eigene Erfahrungen aus dem Jahr 2004 sind es, die mich dies hier so hervorheben lassen ...
Schließlich werden bei der Bestimmung der Therapiestrategie ergänzende Faktoren herangezogen, etwa der Allgemeinzustand, weitere Erkrankungen, das Alter des Patienten.
Insofern ist jene Therapieoption, die ich durchlief (Hochdosistherapie mit autologem Stammzellsupport), die Therapie der Wahl für jüngere, belastbare Patienten. Es kommen daneben also weitere Behandlungskonzepte in Frage. *2
Was meine damals absolvierte Therapie betrifft, so bestimmen heute zunehmend weiterentwickelte, optimierte Protokolle den medizinischen Alltag. Dies umschließt hier sowohl die sogenannte “Induktions-”, als auch die “Hochdosis-Therapie”. Ich schilderte meine Behandlung kurz in den ersten Sätzen auf der Unterseite “Gegenwart” dieser Website.


Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne - erwachende BuchenknospeNach Abschluss der Hochdosis-Therapie musste ich vor allem akzeptieren, dass alles seine Zeit braucht. Was meine physische Erholung anlangte, habe ich ein großes Maß an Geduld und Verständnis mit mir und für mich selbst entwickeln müssen.
Ein körperliches Aufbautraining unter Anleitung und Kontrolle eines Sportmediziners war mir hier sehr hilfreich.


Eine onkologische Rehabilitation, die ich vier Wochen nach meiner Entlassung aus der Hochdosisstation antrat, erwies sich unter psychosozialen Aspekten als sinnvoll für mich: Ich lernte Leukämie- und Lymphom-Patienten kennen. Das Gefühl hierüber erfahren zu haben, “nicht allein auf der Welt” zu sein, war wohltuend.
In der Rehabilitationsklinik bot sich auch die Möglichkeit, meine Fragen zu sozialen und sozialrechtlichen Problemen zu erörtern.
Heute meine ich: aufgrund meiner damaligen körperlichen Konstitution würde ich jene Rehabilitation zu einem späteren Zeitpunkt antreten wollen, läge diese Entscheidung noch einmal in meiner Hand.


Wichtig war mir nach Abschluss der Therapie, mich in meiner Selbstwahrnehmung zu sensibilisieren. Damit meine ich, mögliche Veränderungen und Symtome an sich selbst zu registrieren. Wie etwa Erschöpfung (Fatigue), Taubheitsgefühl in den Fingern oder Füßen, Zehen (Polyneuropathien), kognitive Beeinträchtigungen wie Konzentrationsstörungen, Sprach- und Wortfindungsstörungen (“Chemo-Hirn”), Cataracta Complicata (“Grauer Star”), um hier nur einiges zu nennen.
Sie können als Nebenwirkungen bzw. Folgeerkrankungen aus der vorangegangenen Therapie auftreten. Wichtig ist, wahrgenommene Veränderungen mit den behandelnden Ärzten bzw. dem Hausarzt zu thematisieren, manches kann behandelt bzw. gelindert werden.
Aus meinen Erfahrungen heraus wünschte ich mir hier ein Mehr an “Gebiete übergreifendes Betrachten” durch die einzelnen Facharztbereiche.


Was den “medizinischen Alltag” heute betrifft, so “lotsen” ihn meine Hausärztin und ich gemeinsam und partnerschaftlich. Dabei sind durchaus Eigenverantwortung und eigenes Management gefragt.


Schließlich:

Spätestens nach Abschluss des Behandlungs-Marathons geriet ich in ein Tal seelischer Erschöpfung: Für mich wurde das Weiterleben zum Problem.
Geborgenheit - Margeriten in SommerwieseDie Diagnose Krebs ist traumatisierend, das Durchstehen der ganzen Behandlung Schwerstarbeit. Und in manchen Momenten galt es auch, Angehörige zu trösten und zu beruhigen. Um aus diesem Tief psychischer Erschöpfung herauszukommen, begab ich mich in eine ambulante, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie.
Retrospektiv bin ich unendlich dankbar, denn diese Psychotherapie half mir nicht nur dabei, wieder eigenen Boden unter die Füße zu bekommen. Sie unterstützte mich auch ganz entscheidend in meiner eigenen Orientierungsfindung. Und daraus beim Umbau meines eigenen Wertesystems. Sie war mir eine sichere Brücke, die mich hinüber wieder in den Alltag - einen neuen Alltag mit mehr ganzheitlicher Sichtweise - trug.


Zum Fazit gehört für mich auch der Hinweis, dass es ganz sicher nichtden oder den einen” Umgang mit der Erkrankung gibt. Es kann ihn gewiss nicht geben, denn jeder von uns ist einzigartig, eben individuell, verschieden.
Ändern kann sich aus meiner Erfahrung jedoch die eigene Einstellung zur Erkrankung. Alles hierzu kann fließend sein, ein Prozess eben, und auch verbunden mit einiger Zeit, die alles braucht.


Mir ist heute vor allem wichtig, mein Denken und Tun bewusst für mich “bekömmlich” auszurichten. Die Remission und ihre Aufrechterhaltung dabei vor Augen habend.

 

 

*1 Vgl.: INFO-Blatt: “Mantelzell-Lymphome” der Deutschen Leukämie- & Lymphom-Hilfe e.V.; Autor: Christian Schmidt, Medizinische Klinik und Poliklinik III der Universität München-Großhadern; a.a.O.;

*2 Vgl.: ebenda;

 

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