Blitzlicht in die Gegenwart

Sehnsucht nach Leichtigkeit - DrachenflugNach initialer Immuno-Chemotherapie (CHOP plus Rituximab), anschließender Mobilisierungstherapie (Dexa-BEAM-Protokoll) und abschließender Konsolidierungstherapie (myeloablative Hochdosistherapie mit nachfolgender autologer Stammzelltransplantation) im Jahre 2005, befinde ich mich nach wie vor in Remission.


In erster Linie bin ich dankbar über die inzwischen sechseinhalb Jahre andauernde komplette Remission bei mir und ich blicke weiter optimistisch in die Zukunft. In diesem Sinne soll diese Website neben der Vermittlung von Informationen und meinen persönlichen Erfahrungen vor allem eins machen - MUT! Möge sie ein kleiner LEUCHTTURM sein: Ein sog. “Langzeitüberleben” nach einer solchen dosisintensivierten Therapie, wie ich sie durchlaufen konnte, ist möglich.


Auf dem langen Weg durch die Verarbeitung der Diagnose, die sich anschließende Behandlung sowie die Rückkehr danach in den Alltag, waren für mich folgende Dinge rückblickend besonders hilfreich:

 

  • Erstens war es die Kommunikation.

Natürlich mit den Ärzten, meinem Lebenspartner und meiner Familie. Daneben aber trug mich mein soziales Netzwerk aus Freunden und Bekannten ganz entscheidend mit. Mancher wandte sich auch ab (aus Unsicherheit, Angst). Trotz allem vermittelte mir allein der Blick in mein Telefon- bzw. E-Mail-Verzeichnis ein sicheres Gefühl, nicht alleine zu sein. Hunderte von E-Mail-Seiten und zahlreiche Briefe bewahre ich bis heute auf. Als kostbaren Schatz. Und in großer Dankbarkeit über daraus erfahrene Zuwendung, Bestärkung, Trost und ebenso für manche hilfreiche Anregung.
Heute freue ich mich sehr über den Zugang hin zu “Mantelzellern” und deren Angehörige, der sich über meine Webseite nach und nach eröffnete. Diese entstandene Kommunikation ist mir sehr wertvoll. Manchen interessanten und fruchtbaren Impetus bekomme ich von anderen Betroffenen, auch von Angehörigen, zurück.

 

  • Zweitens war es die Schaffung einer klaren Struktur.

Nachdem ich rasch spürte, dass das gedankliche Durchmessen und Überblicken wollen der gesamten Therapie mich hoffnungslos überfordern und mich schnell an die Grenze dessen führen würde, was für mich aushaltbar war, zwang ich mich zu folgendem:
Ich ließ mein Denken und Betrachten von Dingen und Ereignissen nur noch in abgegrenzten, überschaubaren Etappenzielen zu. Ich zwang mich also dahin, mir jeweils nur noch das anzusehen, was jetzt im Moment gerade wichtig und zu lösen war.

 

  • Drittens waren es Informationen.

Mir war und ist wichtig zu wissen, mit welcher Erkrankung ich es zu tun habe und wie die Behandlung dazu aussieht. Ich bin dankbar über die mir innewohnende Möglichkeit, mich aus mir selbst heraus hierzu auf den Weg machen zu können. Denn ich wollte und will nicht “mit mir geschehen lassen”, ich möchte verstehen, mich ebenso als Partner des Arztes wahrgenommen sehen und aktiv an Entscheidungen teilhaben. Und schließlich denke ich, nicht zuletzt aus eigener Erfahrung, dass Wissen auch überleben helfen kann. *1


Wasser - Quelle und Ausdruck allen LebensAls für mich persönlich keinen Nutzen bringend, nicht weiterführend, erwiesen sich meine Recherchen zur Fragestellung hinsichtlich der eigenen Prognose aus dieser Erkrankung. Sie gleicht am Ende immer einem Blick in die berüchtigte “große Glaskugel”. Mehr nicht! Vielmehr half und hilft mir zunehmend, diese Schicksalsfrage gelassener zu sehen und für mich im Sinne von Ruth Picardie zu “drehen”, wonach die Frage nicht ist, warum ich - sondern: warum nicht?! *2

Und dennoch: ob meiner positiven, optimistischen Grundeinstellung dem Leben gegenüber bin ich nicht geschützt oder gar “immun” vor Momenten, die angefüllt sind mit Fragen, Ängsten, Zweifeln und Enttäuschungen. Sie erreichen auch mich zuweilen. Ich versuche, diese nachdenklichen, mitunter dunkleren Momente für mich anzunehmen und sie zuzulassen - als zum LEBEN dazugehörig...

 

Schließlich:
Ist es möglich, Krebs auch als eine Chance für sich anzunehmen? Über meine Krebserkrankung entwickelte ich eine intensive Beziehung zur Natur und vor allem zu Farben, wie ich es vorher nicht kannte. Und wie sie mir bis dahin nicht möglich war. Ich bin dankbar über diese neue Erfahrung. Sie ist mir ein großer Schatz! Vielleicht ist meine Wahrnehmung von Farben, ich mag sie intensiv und vielfältig, Ausdruck meiner Lebens-Sehnsucht... .

 

 

*1 Sybille Herbert: “Überleben Glücksache” erschienen bei Scherz, ein Verlag der S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main, 2005
*2 Ruth Picardie: “Es wird mir fehlen, das Leben.” Wunderlich/Wunderlich Taschenbuch, Reinbek bei Hamburg 1999

 

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